Nachtasyl

Mittwoch, 14.12.1960 20:30  ! Köhlersaal
20:30
Nachtasyl

Programmheft WS 1960/1961:

„Interessant ist dieser Film als frühe und gleich schon sehr starke Arbeit eines der bedeutendsten französischen Regisseure...Dabei wurde nicht der Versuch.
unternommen, die literarische Vorlage kongruent ins Bild zu Übersetzen. Sie diente dem Regisseur lediglich als Inspiration für ein neues und eigenständiges Werk, das genau so französisch ist, wie das Werk Gorkis russisch, indem auch Schwieriges und Heikles mit leichter Hand gesetzt und in der Andeutung mehr ausgesagt ist, als es anderen in langen Bild- und Worterzählungen jemals gelang...

Von besonderem Rang ist weiterhin die Besetzung von ,Nachtasyl’. Louis Jouvet, der inzwischen Verstorbene, muß zuerst genannt werden. Sein von Stufe zu Stufe absinkender adeliger Beamter des Außenministeriums, zweifellos mit geistigem Defekt, aber ein Lebenskünstler, der sich im Nachtasyl mit dergleichen Selbstverständlichkeit zurechtfindet wie früher in seiner luxuriösen Wohnung, ist eine unvergleichliche und unvergängliche MeisterIeistung. Seinen Freund und Gegenspieler, der aus der Gosse kommt, in vielen Gefängnissen zu Hause war, dann aber mit einem einfachen Mädchen (gespielt von Suzy Prim) ein neues leben zwar in Armut, jedoch in Ehrlichkeit beginnt, gestaltet eindrucksvoll Jean Gabin. Dazu kommt eine lange Reihe glänzend gewählter Typen: der geizige Besitzer des Nachtasyls (Renoirs fast einziges Zugeständnis an die russische Herkunft seines Stoffes), seine junge und lebenshungrige Frau, der bestechliche Polizeikommissar und die vielen Insassen der Penne, — ein wahrer Reigen gestrandeter Existenzen. An ihnen wird das Zermürbende des Elends und das Groteske der zerlumpten Armseligkeit sichtbar, aber auch die Kraft, die sie überwinden kann . . ."

(Filmdienst)

Info
Les bas-fonds
Frankreich 1936, 90 min
R Jean Renoir
D Jean Gabin, Suzy Prim, Louis Jouvet, Jany Holt, Junie Astor, Nathalie Alexeief-Darsène, Vladimir Sokoloff, Robert Le Vigan, Camille Bert, André Gabriello, René Génin, Léon Larive, Maurice Baquet