5. Filmkreis Shorts

AM Donnerstag, den 31. Januar 2019

Die fünfte Ausgabe der Filmkreis Shorts erwartet euch im Januar 2019. Wir präsentieren euch wie gewohnt ein bunt durchmischtes Programm von ca. 2 Stunden Länge mit aller Art von Kurzfilmen. Wenn ihr selber Kurzfilme dreht seid ihr hiermit dazu aufgerufen euren Film bis Ende Oktober bei uns einzureichen. Mit etwas Glück gewinnt euer Film einen der drei Publikums- oder zwei Jurypreise. Alle Informationen und was ihr dabei beachten müsst findet ihr unten.

Für alle Filmkonsumenten unter euch bietet sich die Möglichkeit mitzuentscheiden, welcher Kurzfilm den hart umkämpften Publikumspreis bekommt!

Welche Kurzfilme es schlussendlich ins Programm geschafft haben veröffentlichen wir Mitte Dezember an dieser Stelle. UPDATE: Wegen der großen Anzahl an Einreichungen dauert es mit der Bekanntgabe der Filme noch etwas. Vor dem 24.12.2018 gibt es auf jeden Fall noch Infos!

Publikumspreise 

  1. Under Moms Skirt (von  Sarah Heitz de Chabaneix)
  2. Herzblut (von Robin Trouillet)
  3. Augenblicke (von Kiana Naghshineh)

Jury preisträger 

Begründung der Jury - 5. Filmkreis Shorts – 31.01.2019

1. Platz „Augenblicke“

Der erste Preis der Jury des Filmkreis Shorts, die aus Theatermacherin und -pädagogin Stefanie Ferdinand, Dramaturgin Katja Leclerc und Filmkreismitglied Irina Zhelezova besteht, geht an den Kurzfilm „Augenblicke“. Dessen Regisseurin Kiana Naghshineh wählt sich das herausfordernde Thema Vergewaltigung und schafft ein nicht nur ästhetisch bewundernswertes sondern auch in seiner differenzierten Erzählweise beeindruckendes Werk. Das gezeichnete animierte Bild erscheint in diesem Film als genau das adäquate Mittel für einen hoch emotionalen Zugang, der den Zuschauer sowohl an der Welt des Opfers wie des Täters teilhaben lässt und veranschaulicht, wie uneindeutig die Affekte auf beiden Seiten zwischen Angst und Wehrhaftigkeit, Anziehung und Zerstörungswut changieren. Vereinfachung und Überwältigung weiß die Regisseurin Kiana Naghshineh zu vermeiden durch Perspektivwechsel, einen gezielten und überraschenden Umgang mit dem Erzähltempo und den bewussten Einsatz des hervorragenden, als eigenständiges Mittel geführten Tons inklusive eines klaren, starken Titellieds (in dem sie der geschundenen und zur Stärke zurückgekehrten Frau ihre eigene Stimme leiht).

2. Platz „Attrait“ 

Der zweite Preis geht an den mit nur 1 Minute 49 kürzesten Film der Auswahl: „Attrait“ in der Regie von Marie-Soleil Choquette. Die dramaturgische Wende von der Erwartung einer Gewalttat in ein Liebesgeständnis vollzieht er ohne auf die Klischees der gestreiften Genres, Gangster- oder Sozialdrama und Liebesfilm, zurückzugreifen. Vielmehr ist der in der Dichte der Bildinformationen suchende Zuschauer, der doch so punktgenau durch die Regie geführt wird, am Wendepunkt der Geschichte wortwörtlich „a bout de souffle“, atemlos, und gleichzeitig aufs Persönlichste angerührt. Denn was der Kurzfilm vor allem erzählt, ist die existenzielle Anspannung und Energie der Jugend, eines Zustandes zwischen „alles oder nichts“, Selbsterhöhung und -vernichtung. Dafür braucht er kaum mehr als eine haarscharf beobachtende Kamera, einen hinreissenden Hauptdarsteller in ungestaltet-gestalteter Ausstattung, eine präzise gesteigerte Tonspur und einen Abspann, der in schönsten Porträt-Zeichnungen die Vorgeschichte der lange gehegten Liebe des Jungen zur Kioskverkäuferin erzählt.

Besondere Hervorhebung: „Zwischen uns steht ein Salat“

Nicht mit einem Preis bedenken kann, aber positiv hervorheben will die Jury den Kurzfilm „Zwischen uns steht ein Salat“ von der Regisseurin Alice von Gwinner, der in einem theatralen Rahmen von dem Zeitlosen Thema des menschlichen Sich(-nicht)-Verstehens erzählt. Sie verfügt über einen klaren Umgang mit den Erzählebenen und Stilmitteln, anhand derer immer mehr surreale Elemente in die Ausgangssituation einbrechen und ebenso ernst wie komisch von der scheiternden Kommunikation eines Paares berichten. Dieses Paar wird hervorragend gespielt, ebenso schön gesprochen ist die weitaus verständigere und charmantere Unterhaltung zweier Ölporträts, die über den beiden an der Wand hängen und gleichsam den dramaturgischen Gegenpol liefern.

Ausgewählte Filme | Selected Movies

Aus den Eingereichten 1226 Filmen mit einer Gesamtlaufzeit von 208 Stunden (fast 9 Tage!) haben wir 14 Filme fürs zweistündige Programm ausgewählt. Die Entscheidung war nicht einfach und es mussten viele gute Filme abgelehnt werden. Wir danken allen die Filme eingereicht haben! 

Aufgelisted in der Reihenfolge in der sie laufen:  

1. Balance (Raymond Limantara Sutisna)
Singapur – 2018 – 3min
Ein Junge und ein Mädchen streiten, wer denn jetzt welchen Teil der Wand bemalen darf. Wie so häufig hat dieser Kurzfilm das Thema Partnerschaft zum Thema. Auch unsere Protagonisten müssen lernen, dass nur Zusammenarbeit aus dem Chaos führt.

2. Bonbone (von Rakan Mayasi)
Pakistan – 2017 – 15min
Ein palästinensisches Pärchen versucht ein Kind zu bekommen. Eigentlich kein Problem. Die Barriere, die zwischen dem Kind und dem Paar steht, ist leider nicht aus Gummi, sondern aus massivem Beton. Der Mann sitzt nämlich in israelischer Haft. Kreativität ist gefragt, macht euch doch schon mal Gedanken… Ein Kurzfilm über (Zeit)druck.

3. I Love my CarL (von Alina Cyranek)
Deutschland – 2018 – 6min
Jack und sein Auto Carl haben schon so manches Abenteuer gemeinsam überstanden und verstehen sich blind. Ihre Freundschaft gerät jedoch ins Wanken, als Jack unverhofft zu einem Rendezvous mit der Frau seiner Träume kommt. Die Geschichte einer Freundschaft auf die Spitze getrieben.

4. Nenad (von Yuliya Molina)
Slowenien – 2017 – 6min
Nenad, der Türsteher einer Bar für Schwule berichtet, was ihm sein Job und der Club bedeutet. Während er am Anfang noch mit dem Rücken an der Wand stand, ist er heute Teil des Inventars und für viele Besucher ein guter Gesprächspartner

5. Augenblicke (von Kiana Naghshineh)
Deutschland – 2018 – 4min
Drei Perspektiven einer einzigen Wahrheit. Ihre, Seine und die von uns, den Zuschauern.

6. Old Lease (von Vicente Barella te)
Spanien – 2017 – 15min
Die letzte Bewohnerin eines Appartements hindert den Vermieter daran, das Gebäude abzureißen. Da man ihr nicht kündigen kann, muss man sie anders loswerden, also werden die übrigen Wohnungen an Menschen vermietet, deren einzige Aufgabe es ist die Bewohnerin loszuwerden. Alles schön und gut, wenn Mrs. Carmen da nicht auch noch was mitzureden hätte.

7. The Traffic separating Device (von Johan Palmgren)
Schweden – 2018 – 15min
Die Busspur ist naturgemäß für Busse. Da Farbe ja bekanntermaßen keine Infrastruktur ist, wurde in Stockholm eine Sperre aufgebaut die nur Busse passieren können. Das interessiert den gemeinen Autofahrenden natürlich herzlich wenig, und so erleiden hunderte Autos Schiffbruch, während sie die Sperre passieren zu versuchen. Tragisch und zugleich doch lustig, verfolgen wir diesen real gewordenen Passus der Straßenverkehrsordnung.

8. 2nd Class (von Jimmy Olsson)
Schweden – 2018 – 13min
Charlotte hat gerade ihren Job als Grundschullehrerin angetreten. Eines Abends wird sie von Nazis angegriffen und schwer verletzt. Als sie zurück an die Schule kommt, muss sie feststellen das einer ihrer Schüler der Sohn ihres Angreifers ist.

9. Wind and Plaster (von Burak Kum)
Deutschland – 2018 – 4min
Das gefühlvolle Zusammenspiel zwischen Mysterium und Spannung, die Kombination von Theater, Fotografie und Film wird verwendet, um eine Botschaft zu Kunst und Gesellschaft zu formulieren.

10. Magic Play (von Natasha Cenepa)
USA – 2018 – 3min
Partnerarbeit ist super, denn der Partner arbeitet ja. In der Schule wiederum ist sie verhasst, denn der Partner arbeitet eben meistens nicht. In diesem Kurzfilm muss ein schüchterner Zauberschüler mit seiner Partnerin klarkommen. Ihre Magie ist leider etwas unkontrolliert, aber wenigstens arbeiten beide.

11. Herzblut (Robin Trouillet)
Deutschland – 2018 – 8min
Es heißt, das Handwerk sei das Rückgrat der Wirtschaft. Fischer Johann Rieger, Schmied Sepp Eybl und Schäfer Ernst Vogel sehen viel mehr als ein paar Zahlen in ihren Zünften. Sie lassen uns teilhaben an der Langsamkeit und Bewusstheit mit denen sie ihren Job wahrnehmen. Ein Portrait, das auch zeigen soll, dass dieses Wissen etwas Besonderes ist und nicht verloren gehen darf.

12. Under Moms Skirt (von Sarah Heitz de Chabaneix)
Frankreich – 2017 – 12min
Die Mutter zum Routinecheck beim Frauenarzt zu begleiten und dolmetschen würde wohl jede Tochter tun. Erzwungener Maßen lernt man hierbei Dinge, die zurecht der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen.

13. Zwischen uns steht ein Salat (von Alice von Gwinner)
Deutschland – 2017 – 8min
Die Länge ihres Esstisches und der scheinbar unerreichbare Salat in der Mitte ist zum Symbol ihrer langsam vereisenden Beziehung geworden. Es wird Zeit für einen Platzwechsel.

14. Attrait (von Marie-Soleil Choquette)
Canada – 2018 – 2min
Ein junger Mann ist gestresst über eine seiner definitiven Entscheidungen. 

Filmeinreichungen BIS 31.10.2018 möglich

Bitte beachtet das sich im  Reglement der 5. Filmkreis Shorts (PDF) einige Punkte im Vergleich zum Vorjahr geändert haben! Das  Formular zur Filmeinreichung ist unter  https://filmkreis.de/shortsform.html  zu finden. Sollten mehr als 5 Filme eingereicht werden sollen (z.B. von Filmhochschulen, ... ) besteht nach Absprache mit uns (shorts@filmkreis.de) auch die Möglichkeit einer Sammeleinreichung.

Jury der 5. Filmkreisshorts

Katja Leclerc: Sie ist aktuell Dramaturgin für Oper und Konzert am Staatstheater Wiesbaden. Davor leitete sie die Junge Oper in Hannover und war Dramaturgin der Staatsoper Hannover. Sie studierte Theater-, Film-und Medienwissenschaft, Anglistik und Musikwissenschaft in Frankfurt a. M. und Wales. Auch war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Theaterwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt. 

Stefanie Ferdinand (geb. 1955): Sie ist freischaffende Künstlerin, Erziehungswissenschaftlerin und Theaterpädagogin in Heidelberg. Sie ist Dozentin für rhythmische Erziehung und Theaterpädagogik an der Fachschule für Jugend-und Heimerziehung der SRH. Seit 2013 leitet sie den Nachbarschafts-und Kulturtreff in Heidelberg-Bahnstadt.Zusätzlich engagiert sie sich bei einer Vielzahl von kulturellen und kulturpädagogischen Projekten.

Irina Zhelezova (geb. 1999): Studiert seit 2017 Maschinenbau an der TU Darmstadt und ist seit 2018 Mitglied im Studentischen Filmkreis an der TU Darmstadt. Ihre Besondere Sichtweise auf Filme wurde besonders durch den russischen und japanischen Film geprägt.

Kontakt zuR Filmkreis Shorts Orga Gruppe  

Bei Fragen kannst Du Dich an shorts@filmkreis.de wenden.

Filmkreis Shorts Information in English Language 

The fifth Filmkreis Shorts will take place in January 2019. We will present you a diverse program of ca. 2 hours with short films of all kind. If you are a filmmaker please feel free to submit your film to the contest. With a bit of luck you may win one of the three audience prices or one of the two jury prices.

If you are a film lover you have the opportunity to decide which short film will get the hard-fought audience price.

A English translation of the German Filmkreis Shorts Rules can be downloaded in  PDF ! Please be aware that a few rules have changed from the last years Filmkreis Shorts! Be aware that in any case of a legal dispute the German version is the binding one.

The online submission form can be found at https://filmkreis.de/shortsform.html.

If you have any questions you can contact us at shorts@filmkreis.de .

 

 

Begründung
der
Jury
-
5.
Filmkreis
Shorts
31.
01.2019
Jurypreis
1.
Platz
„Augenblicke“
Jurypreis
2.
Platz
„Attrait“
Besondere
Hervorhebung:
„Zwischen
uns
steht
ein
Salat“
Der
erste
Preis
der
Jury
des
Filmkreis
Shorts,
die
aus
Theatermacherin
und
-
dagogin
Stefanie
Ferdinand,
Dramaturgin
Katja
Leclerc
und
Filmkreismitglied
Irina
Zhelezova
besteht,
geht
an
den
Kurzfilm
„Augenblicke“.
Dessen
Regisseurin
Kiana
Naghshineh
wählt
sich
das
herausfordernde
Thema
Vergewaltigung
und
schafft
ein
nicht
nur
ästhe
tisch
bewundernswertes
sondern
auch
in
seiner
differenzierten
Erzählweise
beeindruckendes
Werk.
Das
gezeichnete
animierte
Bild
erscheint
in
diesem
Film
als
genau
das
adäquate
Mittel
für
einen
hoch
emotionalen
Zugang,
der
den
Zuschauer
sowohl
an
der
Welt
de
s
Opfers
wie
des
Täters
teilhaben
lässt
und
veranschaulicht,
wie
uneindeutig
die
Affekte
auf
beiden
Seiten
zwischen
Angst
und
Wehrhaftigkeit,
Anziehung
und
Zerstörungswut
changieren.
Vereinfachung
und
Überwältigung
weiß
die
Regisseurin
Kiana
Naghshineh
zu
durch
Perspektivwechsel,
einen
gezielten
und
überraschenden
Umgang
mit
dem
Erzähltempo
und
den
bewussten
Einsatz
des
hervorragenden,
als
eigenständiges
Mittel
geführten
Tons
inklusive
eines
klaren,
starken
Titellieds
(in
dem
sie
der
geschundenen
und
zur
Stärke
zurückgekehrten
Frau
ihre
eigene
Stimme
leiht).
Der
zweite
Preis
geht
an
den
mit
nur
1
Minute
49
kürzesten
Film
der
Auswahl:
„Attrait“
in
der
Regie
von
Marie
-
Soleil
Choquette.
Die
dramaturgische
Wende
von
der
Erwartung
einer
Gewalttat
in
ei
n
Liebesgeständnis
vollzieht
er
ohne
auf
die
Klischees
der
gestreiften
Genres,
Gangster
-
oder
Sozialdrama
und
Liebesfilm,
zurückzugreifen.
Vielmehr
ist
der
in
der
Dichte
der
Bildinformationen
suchende
Zuschauer,
der
doch
so
punktgenau
durch
die
Regie
gefüh
rt
wird,
am
Wendepunkt
der
Geschichte
wortwörtlich
„a
bout
de
souffle“,
atemlos,
und
gleichzeitig
aufs
Persönlichste
angerührt.
Denn
was
der
Kurzfilm
vor
allem
erzählt,
ist
die
existenzielle
Anspannung
und
Energie
der
Jugend,
eines
Zustandes
zwischen
„alle
s
oder
nichts“,
Selbsterhöhung
und
-
vernichtung.
Dafür
braucht
er
kaum
mehr
als
eine
haarscharf
beobachtende
Kamera,
einen
hinreissenden
Hauptdarsteller
in
ungestaltet
-
gestalteter
Ausstattung,
eine
präzise
gesteigerte
Tonspur
und
einen
Abspann,
der
in
schö
nsten
Porträt
-
Zeichnungen
die
Vorgeschichte
der
lange
gehegten
Liebe
des
Jungen
zur
Kioskverkäuferin
erzählt.
Nicht
mit
einem
Preis
bedenken
kann,
aber
positiv
hervorheben
will
die
Jury
den
Kurzfilm
„Zwischen
uns
steht
ein
Salat“
von
der
Regisseurin
Alice
von
Gwinner,
der
in
einem
theatralen
Rahmen
von
dem
Zeitlosen
Thema
des
menschlichen
Sich(
-
nicht)
-
Verstehens
erzählt.
Sie
verfügt
über
einen
klaren
Umgang
mit
den
Erzählebenen
und
Stilmitteln,
anhand
derer
immer
mehr
surreale
Elemente
in
die
Ausgangssitua
tion
einbrechen
und
ebenso
ernst
wie
komisch
von
der
scheiternden
Kommunikation
eines
Paares
berichten.
Dieses
Paar
wird
hervorragend
gespielt,
ebenso
schön
gesprochen
ist
die
weitaus
verständigere
und
charmantere
Unterhaltung
zweier
Ölporträts,
die
über
d
en
beiden
an
der
Wand
hängen
und
gleichsam
den
dramaturgischen
Gegenpol
liefern.